Hamstring-Tendinopathie: Warum gezielte Übungen der Schlüssel zur Heilung sind
Einleitung
Schmerzen tief im Gesäss, besonders beim Sitzen oder beim Laufen, können auf eine Tendinopathie der proximalen Hamstrings hinweisen. Diese Beschwerden sind oft hartnäckig und betreffen vor allem Läufer, Sportler – aber auch Menschen mit viel sitzender Tätigkeit.
Viele Betroffene fragen sich:
Was hilft wirklich – gezielte Übungen oder moderne Therapien wie Stosswellen?
Eine neue randomisierte Studie zeigt klar:
Der wichtigste Faktor ist aktives Training.
Studienergebnisse / Erklärung
In der Studie wurden Patienten mit proximaler Hamstring-Tendinopathie in zwei Gruppen eingeteilt:
Physiotherapie-Gruppe mit gezieltem Übungsprogramm
Stosswellentherapie-Gruppe
Beide Behandlungen wurden über mehrere Wochen durchgeführt und anschliessend miteinander verglichen.
Die wichtigsten Ergebnisse:
Beide Gruppen verbesserten sich deutlich in Bezug auf Schmerzen und Funktion
Die Übungsgruppe zeigte bessere langfristige Resultate
Stosswellen konnten kurzfristig helfen, hatten aber keinen klaren Vorteil gegenüber aktivem Training
Das zentrale Ergebnis:
Aktive Therapie (Übungen) ist der wichtigste Bestandteil der Behandlung.
Wann sind Übungen besonders sinnvoll?
Ein strukturiertes Trainingsprogramm ist besonders wichtig:
bei chronischen Schmerzen im Bereich der Hamstrings
wenn Schmerzen beim Sitzen oder Laufen auftreten
bei sportlich aktiven Menschen mit wiederkehrenden Beschwerden
zur langfristigen Verbesserung der Belastbarkeit
Übungen helfen, die Sehne stärker und widerstandsfähiger zu machen.
Wann kann Stosswellentherapie sinnvoll sein?
Stosswellen können unterstützend eingesetzt werden:
bei starken Schmerzen zu Beginn
wenn Training nur eingeschränkt möglich ist
als Ergänzung zur Physiotherapie
Wichtig:
Stosswellen ersetzen kein Training, sondern können höchstens ergänzend wirken.
Häufige Irrtümer bei Hamstring-Tendinopathie
„Ich muss komplett pausieren.“
Falsch. Angepasste Belastung ist entscheidend für die Heilung.„Passive Therapie reicht aus.“
Nein. Ohne aktive Übungen bleibt die Sehne oft anfällig.„Schmerz bedeutet Schaden.“
Leichter Schmerz während Training ist oft akzeptabel und Teil der Anpassung.
So können Sie es richtig machen
Beginnen Sie mit gezielten Kräftigungsübungen für die Hamstrings
Steigern Sie die Belastung langsam und kontrolliert
Vermeiden Sie langes Sitzen ohne Bewegungspausen
Integrieren Sie Hüft- und Rumpfstabilitätstraining
Bleiben Sie konsequent über mehrere Wochen und Monate
Fazit
Die Studie zeigt klar:
Bei proximaler Hamstring-Tendinopathie ist aktive Physiotherapie mit gezielten Übungen der wichtigste Baustein.
Stosswellentherapie kann unterstützend wirken, ersetzt aber nicht das Training.
Langfristiger Erfolg entsteht durch Belastungsaufbau, Geduld und Kontinuität.
Quellen
Cacchio A, Borra F, Severini G, et al.
Shockwave therapy for the treatment of chronic proximal hamstring tendinopathy.
American Journal of Sports Medicine. 2011.Beyer R, Kongsgaard M, Hougs Kjær B, et al.
Heavy slow resistance versus eccentric training in tendinopathy.
American Journal of Sports Medicine. 2015.Malliaras P, Barton CJ, Reeves ND, Langberg H.
Achilles and patellar tendinopathy loading programmes.
Sports Medicine. 2013.Rio E, Kidgell D, Purdam C, et al.
Isometric exercise induces analgesia in tendinopathy.
British Journal of Sports Medicine. 2015.