Fussballverletzungen: Wie lange dauert es, bis man wieder spielen kann?

Einleitung

Eine Verletzung im Fussball kommt oft unerwartet. Ein Sprint, eine schnelle Richtungsänderung oder eine explosive Bewegung – plötzlich treten Schmerzen auf und das Training muss abgebrochen werden.

Besonders häufig betroffen sind die Hamstrings, die Adduktoren, die Oberschenkelmuskulatur und die Bänder des Knies oder Sprunggelenks.

Nach einer Verletzung stellen sich fast alle Fussballspieler dieselben Fragen: Wie lange muss ich pausieren? Wann kann ich wieder trainieren? Und wann darf ich zurück auf den Platz?

Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse hat genau diese Fragen untersucht. Die Forscher werteten zahlreiche Studien aus, um herauszufinden, wie lange Fussballspieler nach verschiedenen Muskel-, Sehnen- und Bandverletzungen benötigen, um wieder am Training und an Wettkämpfen teilzunehmen.

Die Ergebnisse liefern interessante Orientierungshilfen für Sportler, Trainer und Physiotherapeuten.

Was wurde in der Studie untersucht?

Die Forscher analysierten insgesamt 44 wissenschaftliche Studien, von denen 39 in die quantitativen Analysen einbezogen wurden.

Dabei konzentrierten sie sich auf Verletzungen der unteren Extremität ohne direkten Körperkontakt.

Untersucht wurden drei grosse Verletzungsgruppen:

  • Muskelverletzungen: beispielsweise der Hamstrings, Adduktoren, Quadrizeps oder Wadenmuskulatur.

  • Bandverletzungen: insbesondere Kreuzbandverletzungen und Verletzungen der Bänder des Sprunggelenks.

  • Sehnenverletzungen: beispielsweise Verletzungen der Achillessehne.

Besonders wichtig war die Unterscheidung zwischen zwei Zeitpunkten:

Return to Training (RTT): Wann kann ein Spieler wieder am Training teilnehmen?

Return to Match (RTM): Wann kann er wieder in einem Wettkampf eingesetzt werden?

Denn die Rückkehr ins Training bedeutet nicht automatisch, dass ein Spieler bereits für die volle Wettkampfbelastung bereit ist.

Was zeigen die Ergebnisse?

Die Dauer bis zur Rückkehr in den Fussball unterschied sich deutlich zwischen den verschiedenen Verletzungen.

Muskelverletzungen: Häufig mehrere Wochen Pause

Bei Muskelverletzungen hängen die Ausfallzeiten insbesondere von der betroffenen Muskelgruppe und dem Schweregrad ab.

Die Studie ermittelte folgende durchschnittliche Zeiten:

VerletzungRückkehr ins TrainingRückkehr zum WettkampfHamstrings, Grad 1ca. 17 Tageca. 31 TageAdduktorenca. 13 Tageca. 32 TageRectus femorisca. 16 Tageca. 27 TageSoleus (Wade)–ca. 69 Tage

Die Werte stammen teilweise aus unterschiedlichen Studiengruppen und dürfen deshalb nicht als direkte individuelle Verlaufsprognose verstanden werden.

Bei Hamstring-Verletzungen zeigte sich ausserdem ein klarer Zusammenhang mit dem Schweregrad.

Während leichte Verletzungen eine relativ schnelle Trainingsrückkehr ermöglichten, benötigten Spieler mit einer schweren Hamstring-Verletzung des Grades 3 durchschnittlich rund 65 Tage bis zur Rückkehr ins Training.

Je schwerer die Muskelverletzung, desto länger dauert in der Regel die Rehabilitation.

Bandverletzungen: Häufig längere Rehabilitation

Bei Bandverletzungen zeigten sich grosse Unterschiede.

Nach einer Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands dauerte die Rückkehr ins Mannschaftstraining durchschnittlich ungefähr 213 Tage.

Die Rückkehr zum Wettkampf erfolgte im Durchschnitt nach etwa 250 Tagen, also nach etwas mehr als acht Monaten.

Diese Zahlen sind jedoch keine allgemeine Empfehlung, bereits nach acht Monaten wieder Fussball zu spielen.

Gerade nach einer Kreuzbandoperation müssen neben der Heilungszeit auch Muskelkraft, Sprungfähigkeit, Bewegungsqualität, Belastbarkeit und psychologische Bereitschaft berücksichtigt werden.

Sehnenverletzungen: Oft mehrere Monate

Besonders lange Rehabilitationszeiten wurden bei schweren Sehnenverletzungen beobachtet.

Nach einer operativ behandelten Achillessehnenruptur lag die durchschnittliche Zeit bis zur Rückkehr zum Wettkampf bei ungefähr 220 Tagen.

Auch hier sind grosse individuelle Unterschiede möglich.

Warum dauert die Rehabilitation bei manchen Spielern länger?

Zwei Spieler können dieselbe Diagnose erhalten und trotzdem sehr unterschiedliche Rehabilitationszeiten benötigen.

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Schweregrad der Verletzung: Ein kleiner Muskelfaserriss unterscheidet sich deutlich von einer ausgedehnten Muskelverletzung.

Betroffene Struktur: Muskeln, Bänder und Sehnen haben unterschiedliche Eigenschaften und Heilungsverläufe.

Vorherige Verletzungen: Frühere Beschwerden können die Ausgangssituation und die Rehabilitation beeinflussen.

Körperliche Voraussetzungen: Kraft, Beweglichkeit, Fitness und Trainingszustand spielen eine wichtige Rolle.

Anforderungen im Fussball: Ein Spieler muss nicht nur laufen können, sondern auch sprinten, abbremsen, schiessen und auf unerwartete Spielsituationen reagieren.

Deshalb sollten Durchschnittswerte nur zur Orientierung dienen.

Wann ist ein Spieler wirklich bereit für die Rückkehr?

Ein zentraler Punkt der modernen Sportphysiotherapie ist die Erkenntnis, dass Zeit allein kein ausreichendes Kriterium für die Rückkehr zum Sport ist.

Ein Spieler kann beispielsweise drei Wochen nach einer Hamstring-Verletzung schmerzfrei joggen und trotzdem noch nicht bereit für maximale Sprints sein.

Für die Rückkehr zum Fussball sollten deshalb verschiedene Fähigkeiten überprüft werden:

  • ausreichende Muskelkraft

  • Beweglichkeit und Bewegungsqualität

  • Belastbarkeit beim Laufen

  • maximale oder nahezu maximale Sprintgeschwindigkeit

  • schnelle Richtungswechsel und Bremsbewegungen

  • Sprung- und Landekontrolle

  • sportartspezifische Belastung

  • Vertrauen in die verletzte Körperregion

Welche Kriterien besonders wichtig sind, hängt von der jeweiligen Verletzung ab.

Häufige Irrtümer nach Fussballverletzungen

«Wenn ich keine Schmerzen mehr habe, bin ich wieder fit.»

Nicht unbedingt.

Schmerzfreiheit ist ein wichtiger Fortschritt, bedeutet aber nicht automatisch, dass die Muskulatur bereits ihre ursprüngliche Kraft und Belastbarkeit zurückgewonnen hat.

«Eine Hamstring-Verletzung dauert immer drei Wochen.»

Nein.

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen leichten und schweren Verletzungen. Selbst bei vergleichbaren Verletzungen können die Ausfallzeiten erheblich variieren.

«Wenn ich wieder joggen kann, kann ich auch Fussball spielen.»

Joggen ist ein erster Schritt, stellt aber deutlich geringere Anforderungen als der Fussball.

Maximale Sprints, explosive Richtungswechsel und Zweikämpfe müssen separat vorbereitet werden.

«Wenn im MRI alles gut aussieht, kann ich wieder spielen.»

Bildgebende Untersuchungen können wichtige Informationen über eine Verletzung liefern.

Für die Rückkehr zum Sport sind jedoch auch die tatsächliche Funktion, die körperliche Belastbarkeit und der individuelle Rehabilitationsverlauf entscheidend.

So können Sie Ihre Rückkehr zum Fussball optimal vorbereiten

Eine gute Rehabilitation besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Schritten.

1. Beweglichkeit und grundlegende Belastbarkeit wiederherstellen

Zu Beginn stehen die Kontrolle der Beschwerden und die Wiederherstellung der grundlegenden Bewegungsfähigkeit im Vordergrund.

2. Muskelkraft gezielt aufbauen

Durch angepasstes Krafttraining wird die betroffene Muskulatur schrittweise wieder auf höhere Belastungen vorbereitet.

3. Lauftraining progressiv steigern

Der Übergang vom lockeren Joggen zu Beschleunigungen und maximalen Sprints ist ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation.

4. Fussballspezifische Bewegungen trainieren

Richtungswechsel, Sprünge, Bremsbewegungen und Ballaktionen werden zunehmend integriert.

5. Rückkehr zum Mannschaftstraining und Wettkampf

Die Belastung wird schrittweise an das normale Mannschaftstraining und schliesslich an die Wettkampfanforderungen angepasst.

Die einzelnen Phasen können sich überschneiden. Entscheidend ist, wie gut der Spieler die jeweilige Belastung verträgt.

Was bedeutet das für die Physiotherapie?

Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse sind besonders hilfreich, um die Rehabilitation besser zu planen und realistische Erwartungen zu vermitteln.

Allerdings weisen die Autoren auch auf wichtige Einschränkungen hin.

Die untersuchten Studien verwendeten teilweise unterschiedliche Definitionen für die Rückkehr zum Sport und verschiedene Einteilungen der Verletzungsschwere.

Zudem untersuchte der überwiegende Teil der Studien männliche Profifussballspieler. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht uneingeschränkt auf Frauen, Jugendliche oder Amateurspieler übertragen.

Eine erfolgreiche Rehabilitation sollte sich nicht ausschliesslich am Kalender orientieren, sondern an den tatsächlichen Fähigkeiten des Spielers.

Fazit

Die Rückkehr zum Fussball nach einer Verletzung kann wenige Wochen oder mehrere Monate dauern.

Die aktuelle Meta-Analyse liefert wertvolle Durchschnittswerte für verschiedene Muskel-, Sehnen- und Bandverletzungen.

Sie zeigt aber auch, dass der Heilungsverlauf individuell sehr unterschiedlich sein kann.

Für eine erfolgreiche Rückkehr zum Fussball sind deshalb nicht nur die vergangenen Tage entscheidend.

Muskelkraft, Sprintgeschwindigkeit, Bewegungsqualität, Belastbarkeit und Vertrauen in den eigenen Körper sind mindestens genauso wichtig.

Das Ziel einer guten Rehabilitation ist nicht nur, möglichst schnell wieder auf dem Platz zu stehen, sondern körperlich ausreichend vorbereitet zurückzukehren.

Quellen

  1. Wagemans J, Ahmadi E, Taeymans J, et al. Time to return to sports in football players recovering from lower limb soft tissue injuries: a systematic review with meta-analysis. BMJ Open Sport & Exercise Medicine. 2026;12(2). DOI: 10.1136/bmjsem-2026-003245.
    Originalstudie

  2. Ardern CL, Glasgow P, Schneiders A, et al. 2016 Consensus statement on return to sport from the First World Congress in Sports Physical Therapy, Bern. British Journal of Sports Medicine. 2016;50(14):853–864. DOI: 10.1136/bjsports-2016-096278.
    Publikation

  3. Creighton DW, Shrier I, Shultz R, Meeuwisse WH, Matheson GO. Return-to-play in sport: a decision-based model. Clinical Journal of Sport Medicine. 2010;20(5):379–385. DOI: 10.1097/JSM.0b013e3181f3c0fe.
    Publikation

Weiter
Weiter

Mehr Bewegung im Alltag: Warum körperliche Aktivität Teil jeder Behandlung sein sollte