Rehabilitation nach Meniskusoperation: Was empfiehlt der neue internationale Konsensus?

Einleitung

Meniskusverletzungen zählen zu den häufigsten Knieproblemen im Sport und im Alltag. Nach einer Operation stellen sich viele Fragen:
Wann darf ich wieder belasten? Wie schnell kann ich wieder Sport treiben? Und welche Übungen sind wirklich sinnvoll?

Ein neuer internationaler Konsensus 2024, erarbeitet von europäischen und US-amerikanischen Fachgesellschaften (ESSKA, AOSSM, AASPT), gibt klare, praxisnahe Empfehlungen für die Rehabilitation nach Meniskusoperationen. Ziel ist es, die Nachbehandlung zu vereinheitlichen und sicherer zu machen.

Studienergebnisse / Erklärung

Der Konsensus unterscheidet klar zwischen verschiedenen Operationsarten, da die Rehabilitation davon wesentlich abhängt:

  • Partielle Meniskusresektion

  • Meniskusnaht (Repair)

  • Meniskusersatz oder komplexe Rekonstruktionen

Zentrale Aussagen des Konsensus:

  • Die Art der Operation bestimmt die Reha, nicht allein die Diagnose.

  • Frühe Bewegung ist in den meisten Fällen sinnvoll, um Gelenksteife und Muskelabbau zu vermeiden.

  • Belastung soll schrittweise erfolgen, angepasst an die Stabilität der Naht oder des resezierten Meniskusanteils.

  • Zeitbasierte Reha-Modelle werden zunehmend durch funktionsbasierte Kriterien ersetzt, zum Beispiel Kraft, Beweglichkeit und Belastbarkeit.

Der Konsensus betont, dass eine zu aggressive Belastungssteigerung das Risiko für erneute Beschwerden oder ein Versagen der Naht erhöhen kann – gleichzeitig ist übermässige Schonung ebenfalls ungünstig.

Wann ist welche Belastung sinnvoll?

Nach einer Meniskusresektion:

  • frühe Vollbelastung meist erlaubt

  • Fokus auf Beweglichkeit, Muskelaktivierung und Gangbild

  • Rückkehr zu Sportarten oft nach wenigen Wochen möglich

Nach einer Meniskusnaht:

  • kontrollierte Belastung in den ersten Wochen

  • Beugung und Rotationsbewegungen zunächst eingeschränkt

  • Sportartspezifisches Training erst nach ausreichender Heilung

Wichtig: Der Konsensus empfiehlt, nicht nur nach Kalender, sondern nach funktionellen Kriterien zu entscheiden.

Häufige Irrtümer nach einer Meniskusoperation

  • „Nach der OP muss ich mein Knie lange schonen.“
    Nicht unbedingt. Frühzeitige, kontrollierte Bewegung ist oft hilfreich.

  • „Alle Meniskusoperationen haben die gleiche Reha.“
    Falsch. Eine Naht benötigt eine andere Nachbehandlung als eine Resektion.

  • „Schmerzfreiheit bedeutet volle Belastbarkeit.“
    Nein. Schmerz ist nur ein Faktor – Kraft, Kontrolle und Stabilität sind genauso wichtig.

So können Sie es richtig machen

  • Beginnen Sie früh mit angepasster Bewegung, sofern medizinisch erlaubt

  • Steigern Sie Belastung schrittweise und kontrolliert

  • Trainieren Sie nicht nur das Knie, sondern auch Hüfte und Rumpf

  • Nutzen Sie klare funktionelle Kriterien statt fixer Zeitvorgaben

  • Lassen Sie sich regelmässig physiotherapeutisch begleiten

Fazit

Der internationale Konsensus 2024 zeigt klar:
Eine erfolgreiche Rehabilitation nach Meniskusoperation basiert auf individueller Belastungssteuerung, früher Bewegung und funktionsorientierter Progression.
Standardprogramme ohne Anpassung an Operationstyp und Heilungsverlauf gelten heute als überholt.

Quellen

  1. van der List JP, DiFelice GS, Kopf S, et al.
    ESSKA–AOSSM–AASPT consensus on rehabilitation following meniscus surgery – Part I: postoperative management.
    British Journal of Sports Medicine. 2024.

  2. Kopf S, Beaufils P, Hirschmann MT, et al.
    Management of traumatic meniscus tears: the 2019 ESSKA meniscus consensus.
    Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2020;28:1177–1194.

  3. Abrams GD, Frank RM, Gupta AK, et al.
    Trends in meniscus repair and meniscectomy in the United States.
    American Journal of Sports Medicine. 2013;41(10):2333–2339.

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